Tätigkeitsbericht der Casa Stefan Zweig

By joergtrettler

Tätigkeitsbericht der CASA STEFAN ZWEIG über die Aktivitäten von November 2006 bis Mai 2008 .

Das Haus

Die zuständigen Organe (Iphan und Inepac – Denkmalschutzämter) müssen nun noch die Entwürfe für den Umbau des Zweig-Wohnhauses in der Rua Gonçalves Dias 34 genehmigen. Dies ist conditio sine qua non für jedwede Anerkennung nach dem Lei Rouanet-Verfahren (Steuerbefreiung für Kultur-Investitionen).

Mit der entsprechenden Genehmigung kann die Anerkennung nach der Lei Rouanet beantragt werden, um die notwendigen Mittel für die Bauarbeiten zu bekommen.

Während der gesamten Anfangsphase durften wir die unbeschränkte Unterstützung des Bürgermeisters von Petrópolis, Rubens Bomtempo, geniessen. So wurde beispielsweise der CSZ durch den von ihm im Januar 2008 in der offiziellen Tageszeitung von Petrópolis (nº 1.184 de 24/1) veröffentlichten Erlass eine Befreiung von der Grundsteuer (IPTU) gewährt.

Im Mai dieses Jahres erneuerte die Stiftung für Kultur und Tourismus von Petrópolis ein Abkommen über ene finanzielle Unterstützung in der Höhe von R$ 65.000 für das Jahr 2008. Diese Mittel werden für die Anstellung eines Teams von drei Personen verwendet, um folgende Aufgaben zu erfüllen: a) Bildung des Bestandes der Exil-Gedenkstätte, aufbauend auf Informationen über ExilantInnen in Brasilien aus dem Nationalarchiv (Historiker Fábio Koifman mit Hilfe des österreichischen Gedenkdieners Jörg Trettler); b) konstante Aktualisierung der Website (unter Leitung der Journalistin Kristina Michahelles); c) Anstellung einer Geschäftsführerin für die Verwaltung des Projektes im Allgemeinen (Noemi Varsano).

Die Website

Seit dem 8. März ist unsere zweisprachige Website online. Bis zum 31. Mai zählte www.casastefanzweig.org 1770 Zugänge von Besuchern aus verschiedenen Ländern der Welt wie Spanien, Österreich, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Portugal. Das im November 2007 mit der SESC (brasilianische Kultur-Serviceagentur) unterzeichnete Abkommen stellte die Grundlage für die Erstellung der Website dar.

Auf zwei Sprachen (Portugiesisch und Deutsch) verfasst, bald auch in einer englischen Version, beschränkt sich die Website nicht nur auf Aspekte des Lebens und des Werkes von Stefan Zweig. In der Bildergalerie findet sich eine umfangreiche Sammlung von Fotos, Karikaturen, und Filmen. Im Kinosaal, die Liste von Filmen, die über Stefan Zweig und seine Werke produziert worden sind. Im Musikzimmer, kleine Abschnitte von vertonten Versen, Partituren und andere Informationen und Kuriositäten. Die Website wird regelmäßig mit Nachrichten über Ausstellungen, Neuerscheinungen von Büchern und Artikeln in der nationalen und internationalen Presse aktualisiert. Die Website – unter der Verantwortung des webdesigners André Vallias und der Journalistin und Übersetzerin Kristina Michahelles – informiert auch regelmäßig über den Fortschritt des Umbaus des Hauses.

Ein wichtiger Teil des Website ist die Seite Begleiter im Exil, der Embryo der zukünftigen Exil-Gedenkstätte in dem Haus in der Rua Gonçalves Dias 34. Es ist den Hunderten von Europäern, die in der Zeit von 1933 bis 1945 das Schicksaal von Stefan und Lotte Zweig teilten und in diesem Land eine neue Heimat suchen mussten, gewidmet. Für dieses Projekt wurde der Historiker Fábio Koifman angestellt, der mit Hilfe des österreichischen Juristen und Gedenkdieners Jörg Trettler alle vorhandenen Daten über diese EmigrantInnenen in den Archiven des Landes aufspüren wird.

Besuche

Das Projekt CASA STEFAN ZWEIG erhielt auch wichtige Unterstützung seitens der diplomatischen Vertreter von Österreich und Deutschland.

Der österreichische Botschafter in Brasilien, Werner Brandstetter und seine Frau besuchten im November 2006 aus Anlass des 125-jährigen Geburtstages des Schriftstellers das Grab von Stefan Zweig in Petrópolis, sowie das Haus in der Rua Gonçalves Dias 34. Im April 2007 war der österreichische Generalkonsul in Rio de Janeiro, Reinhold Steinberger an der Reihe. Er besuchte das Haus, in dem Stefan und Lotte Zweig die letzten fünf Monate lebten, in Begleitung des Generalsekretärs für auswärtige Angelegenheiten Johannes Kyrle, des Botschafters Michael Rendi und des Sektionsleiters der Abteilung für Integrations- und wirtschaftspolitische Angelegenheiten des österreichischen Außenministeriums, Rudolf Lennkh.

Am 22. Februar dieses Jahres begeisterte sich der Generalkonsul von Deutschland, Hermann Erath an dem Projekt, den letzten Wohnsitz des Schriftstellers in ein Museum zu verwandeln und versprach die Initiative zu unterstützen. Am selben Tag dokumentierte ein von der CSZ speziell dafür engagiertes Filmteam alle Details des Hauses und seines Erhaltungszustandes für die spätere Edition eines Videos über die Umbauarbeiten. Über den Besuch wurde in der Beilage Serra der Zeitung O Globo und in der Lokalsendung RIO-TV ausführlich berichtet.

Bei all diesen Ereignissen waren immer Mitglieder CASA STEFAN ZWEIG anwesen.

Schule und Austauschprogramm

Die Escola Municipal Stefan Zweig (Stefan Zweig-Schule) wurde im April 2007 in Anwesenheit des Bürgermeisters von Petrópolis, Rubens Bomtempo und Alberto Dines, Israel Beloch und Nancy Hartstein als Vertreter der Casa Stefan Zweig, eröffnet. Bei dieser Gelegenheit bekam die Stefan Zweig-Schule als Spende des Ehepaar Dorothy und Paul Hartstein eine Werkausgabe von Stefan Zweig, die 1953 vom Delta-Verlag herausgegeben wurde.

Die CASA STEFAN ZWEIG beabsichtigt, im zweiten Semester des Schuljahres 2008 mit Hilfe von Studenten der Literatur- und Sprachwissenschaften und der Kommunikationswissenschaften der Universität Estácio de Sá eine Reihe von pädagogischen Aktivitäten in der Stefan Zweig-Schule von Petrópolis zu entfalten.

Die CASA STEFAN ZWEIG wird auch ein Partnerschaftsprojekt mit anderen Schulen der ganzen Welt, die den Namen Stefan Zweigs tragen, koordinieren, wie zum Beispiel die Stefan-Zweig-Realschule von Endingen im Süden Deutschlands oder die Stefan Zweig-Schule in São Paulo. Außerdem wird sich die CASA STEFAN ZWEIG auf die Suche nach Sponsoren für den Kauf von Schachbrettern und die Anstellung von Schachlehrern für die Schule begeben, die den Namen des Autors der Schachnovelle trägt.

Abkommen mit Österreich

Im Oktober 2007 unterzeichnete die CASA STEFAN ZWEIG ein Abkommen mit dem Österreichischen Auslandsdienst, in dem sie jungen Österreichern die Möglichkeit eröffnete, in der Casa Stefan Zweig Gedenkdienst zu leisten. Der Österreichische Gedenkdienst ist ein weltweit einzigartiges Netzwerk für Holocaust-Gedenkstätten und Museen, die Mithilfe in ihren Archiven, Bibliotheken etc. in Anspruch nehmen wollen. Der Gedenkdienst wird von der österreichischen Regierung als Alternative zum Zivildienst anerkannt. Der erste Gedenkdiener, der sich im Rahmen dieses Programms aktiv in der CASA STEFAN ZWEIG engagierte, war Jörg Trettler. Der Absolvent der Juridischen Fakultät, der fliessend Portugiesisch spricht, begann seinen einjährigen Gedenkdienst im Februar 2008 und beteiligte sich aktiv an den Übersetzungsarbeiten, an der Suche nach neuen Finanzierungsquellen und an der Schulpartnerschaft-Initiative, die die verschiedenen Stefan-Zweig-Schulen weltweit vereinen soll.

Diverses

Wir haben noch eine traurige und eine gute Nachricht zu verzeichnen. Der Unternehmer Hans Stern, Gründungsmitglied der CASA STEFAN ZWEIG, verstarb am 26. Oktober 2007 in Rio de Janeiro. Zeit seines Lebens hat sich Hans Stern immer aktiv für kulturelle Belange eingesetzt.

Die gute Nachricht geschah zwei Tage vor dem Tod von Stern. Am 24. Oktober 2007, erhielt der Präsident der CASA STEFAN ZWEIG, der Journalist Alberto Dines, den Austrian Holocaust Memorial Award für seine ins Deutsche übersetzte Biografie von Stefan Zweig Tod im Paradies – Die Tragödie des Stefan Zweig. Die 2006 vom Österreichischen Auslandsdienst ins Leben gerufene Auszeichnung, würdigt Personen, die sich besonders um die Erinnerung an die Shoa und anderer NS-Verbrechen verdient gemacht haben und symbolisiert die Unterstützung der Initiative CASA STEFAN ZWEIG.

Erinnerungsstätte in Salzburg

Wir können ebenfalls mit Zufriedenheit bekannt geben, dass die brasilianische Initiative in Österreich eine „Schwester“ bekommen hat: die Universität Salzburg wird im November eine Gedenkstätte in Erinnerung an Stefan Zweig eröffnen, der in dieser Stadt 15 Jahre lang lebte. Die „Begegnungsstätte im Geist des jüdischen Dichters wird ein Ort für Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und Filme sein, die vom Institut der Germanistik organisiert werden.

Rio de Janeiro, der 1. Juni 2008

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