Casa Stefan Zweig – Projekt und Umsetzung
Die Geschichte der Gründungsinitiative des „Haus-Museums“ Casa Stefan Zweig begann einige Tage nach jenem tragischen Ereignis im Feber 1942, als der Todespakt zwischen Stefan und Lotte Zweig in die Tat umgesetzt worden war, indem der Schriftsteller und Journalist Raul Azevedo über die Presse vorschlug, das Haus, in dem der Schriftsteller in Petrópolis lebte und starb, in ein Museum zu verwandeln. Am ersten Jahrestag des Todes des Schriftstellers übermittelten seine Erben der brasilianischen Regierung ein Dankesschreiben für die letzten Ehrungen, die dem Autor von Brasilien – Ein Land der Zukunft zuteil wurden. Als Anerkennung dafür boten sie den Nachlass an, den Zweig in seinem Haus in Bath (England) hinterließ, um damit den Grundstock des Museums in Petrópolis zu bilden.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges, verwandelten sich die Bücher von Zweig in Brasilien in einen Verkaufsschlager, dennoch geschah nichts. Das Haus wechselte verschiedene Eigentümer und wurde schließlich vom brasilianischen Denkmalschutzamt (IPHAN) Anfang der 80er Jahre aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Das verhinderte jedoch auch nicht, dass in den Innenräumen und an der Fassade große Veränderungen vorgenommen wurden.
Europäische und vor allem deutschsprachige Touristen, kamen bis ins Viertel Duas Pontes (heutiges Valparaíso), begutachteten die Bronzestatue, die fast immer vom Efeu bedeckt ist, und gingen in den Friedhof, wo das Ehepaar begraben ist und beendeten so das Treffen mit dem Schriftsteller, der ihre Eltern und Großeltern begeisterte und auch heute noch in allen europäischen Buchhandlungen und Bibliotheken aufliegt.
Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, beginnt die Idee der Gründung eines Haus-Museums endlich umgesetzt zu werden: das Haus, in dem Stefan Zweig die letzten acht Monate seines Lebens verbrachte, wo er vor dem Krieg in Europa und dem Nationalsozialismus Zuflucht suchte, wurde von der Associação de Amigos da Casa Stefan Zweig (Verein der Freunde der Casa der Stefan Zweig) gekauft. Das war der erste Schritt zur Konkretisierung des Projekts der offiziellen Gründung der Casa Stefan Zweig (CSZ), des Museums, das ihm Brasilien schuldete. Es müssen allerdings noch viele weitere Schritte folgen.
Die Associação de Amigos da Casa Stefan Zweig, eine private, nicht auf Gewinn gerichtete Institution, wurde im Mai 2006 durch die Versammlung einiger Personen, die beschlossen hatten, sich um die Verwirklichung dieses Projektes zu kümmern – angeführt von dem Journalisten und Stefan Zweig-Biografen Alberto Dines – gegründet.
(von li. nach re.: (stehend) Alberto Dines, Miguel Pinto Guimarães, Beatriz Lessa, Israel Beloch, Kristina Michahelles, (sitzend) Noemi Varsano, Melissa Paro
Auf diese Weise wird sich der Kriegs-Exilierte, der in die Straße geflüchtet ist, die an den Autor des Canção do Exílio (Lied des Exils) erinnert, die Rua Gonçalves Dias, schließlich ganz in die Umgebung, die Gemeinde und kulturelle Realität von Petrópolis und Brasilien einfügen. Und er wird die Erinnerung von anderen und unzähligen Flüchtlingen, die nicht so bekannt waren wie er, mit sich bringen. Außer Stefan Zweig werden auch andere Exilierte, die Brasilien als Exilland wählten, vorgestellt werden. Die Forschung im Nationalarchiv mit dem Ziel, einen Bestand verfügbarer Daten in der CSZ zu schaffen, wurde bereits begonnen.
Kleine Geschichter der Casa Stefan Zweig
Die Zeremonie, die den Beginn der Associação de Amigos da Casa Stefan Zweig darstellt, fand im Mai 2006 im Österreichischen Generalkonsulat von Rio de Janeiro mit Unterstützung des Generalkonsuls Reinhold Steinberger statt. Durch den deutschen Generalkonsul, Stephan Krier, kam die Gründungsgruppe der CSZ zum Bürgermeister von Petrópolis, Rubens Bomtempo, und durch ihn konnte das Projekt die offizielle Unterstützung dieser Stadt gewinnen. Im Oktober 2006 wurde zwischen der CSZ und dem Gemeinderat von Petrópolis ein Abkommen unterzeichnet, das zwar im Feber 2007 auslief aber momentan wieder erneuert wird.
Die Anstrengungen konzentrieren sich im Moment auf die Wiederinstandsetzung des Gebäudes und die Umwandlung in ein „Haus-Museum“ als einen Ort des Erinnerns, der Geschichte und des Schaffens von Stefan Zweig. Das ursprüngliche architektonische Projekt wurde vom Architektenbüro Miguel Pinto Guimarães Arquitetos Associados entworfen und sieht eine Anpassung der existierenden Konstruktion für den Betrieb des „Haus-Museums“ vor. Außerdem werden zwei Gebäudeteile an die Originalkonstruktion angebaut werden und einen Medienraum, einen digitalen/elektronischen Forschungsraum, eine Bibliothek, einen Lesesaal/Multifunktionsraum und Besucher- und Verwaltungsräume sowie eine Terrasse beherbergen. Das architektonische Projekt wurde im Juni 2007 beim Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional (IPHAN) (Denkmalschutzamt) eingereicht, das das zuständige Organ für die Bewilligung jedwedes Projektes ist, das an einem Gut, das unter Denkmalschutz gestellt wurde, verwirklicht wird. Das IPHAN stellte einige Auflagen, die vom Architektenbüro erfüllt wurden. Sobald das Projekt von IPHAN, INEPAC und dem Gemeinderat von Petrópolis angenommen worden ist, werden wir um die Anerkennung nach der Lei Rouanet ansuchen.
Parallel dazu wurde im März 2007 die Homepage Casa Stefan Zweig eröffnet und damit die Existenz im Internet sogar vor der Eröffnung des „Haus-Museum“ gesichert. Auf der Homepage der CSZ gibt noch mehr Informationen, die diesen Bericht vervollständigen. Die Direktion der CSZ beabsichtigt auch, persönliche Objekte, die sich in den Händen von Sammlern, Familienangehörigen und Bewunderern befinden, zusammenzutragen, damit die Casa Stefan Zweig nicht nur den Namen, sondern auch den Touch, die Magie und Geschichte des Schriftstellers vermittelt.
Ziele des Casa Stefan Zweig
Das Projekt hat das Ziel, ein „Haus-Museum“ an dem Ort, der dem Schriftsteller und seiner Frau als letzter Wohnsitz diente, zu errichten, in dem ein kleines Museum mit persönlichen Objekten mit Bezug zu seinem Werk, seinen Ansichten und seiner Zeit, eine Fotothek, eine Videothek und eine Bibliothek eingerichtet sind. Das Hauptziel des Projektes ist es, die Erinnerung an den Schriftsteller und Humanisten Stefan Zweig durch ein Archiv und durch kulturelle, editorielle und künstlerische Aktivitäten wie Ausstellungen, Aufführungen, Wettbewerbe, Veranstaltungen und Theater- Kino- und Medienproduktionen, die von der CSZ betrieben werden, zu würdigen. Das Projekt soll auch die Funktion einer Exil-Gedenkstätte haben, mit dem Ziel, die Werke von Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern, die während des 2. Weltkrieges nach Brasilien geflüchtet sind und die zur Entwicklung der brasilianischen Kultur beigetragen haben, bekannt zu machen und Kontakte, Verbindungen und Partnerschaften mit ähnlichen Institutionen aufzunehemen sowie Forschern und dem interessierten Publikum Online-Zugang zum digitalisierten Dokumentenbestand anzubieten. Dadurch und durch Stipendien und von der CSZ organisierten Wettbewerben soll die akademische Forschung über das Werk von Stefan Zweig und über das Thema des Exils im Allgemeinen angeregt werden.

