Endbericht
über den Gedenkdienst bei der CASA STEFAN ZWEIG
von Hans-Jörg Trettler
Endbericht
über den Gedenkdienst bei der CASA STEFAN ZWEIG
von Hans-Jörg Trettler
Anlässlich des Österreichischen Nationalfeiertags wurde ich von Generalkonsul Reinhold Steinberger am 26. Oktober zu einem Empfang im Generalkonsulat in der Avendida Atlântica (Copacabana) eingeladen. Bei der Wahrnehmung dieser Einladung wurde noch einmal von Seiten des Generalkonsuls die Unterstützung der Casa Stefan Zweig und des Gedenkdienstes bei derselben betont. Außerdem konnten viele Kontakte geknüpft werden.
1. Tätigkeitsübersicht
I) Forschung über ExilantInnen in Brasilien
II) Übersetzungsarbeiten für Casa Stefan Zweig – Homepage
III) Organisatorische und sonstige Aufgaben
Der Verein Casa Stefan Zweig entstand mit der Idee, neben einem Stefan Zweig – Haus eine Exil-Gedenkstätte zu gründen, die den Tausenden von Europäern, die in der Zeit von 1933 bis 1945 das Schicksaal von Stefan und Lotte Zweig teilten und in Brasilien eine neue Heimat suchen mussten, gewidmet ist. Dafür soll eine Bestand mit allen Informationen und Daten geschaffen werden, die in brasilianischen Archiven über EmigrantInnen gefunden werden können, die in Brasilien in den Bereichen der Kunst, Kultur oder Wissenschaft gewirkt haben. Dieser Bestand, der zum Teil auch online zugänglich sein wird, soll Forschern, Verwandten der EmigrantInnen und anderen Interessierten dienen. Für dieses Projekt wurde der Historiker Fábio Koifman angestellt, der auf diesem Gebiet bereits umfangreiche Forschungen betrieben hat und die brasilianischen Archive „wie seine eigene Westentasche“ kennt. Er hat die Dissertation Quixote nas trevas O embaixador Souza Dantas e os refugiados do nazismo (Quixote in der Dunkelheit Der Botschafter Souza Dantas und die Flüchtlinge des Nationalsozialismus) verfasst, die 2002 im Verlag Editora Record in Rio de Janeiro erschienen ist.
1. Hauptaufgaben
Tätigkeitsbericht der CASA STEFAN ZWEIG über die Aktivitäten von November 2006 bis Mai 2008 .
Das Haus
Die zuständigen Organe (Iphan und Inepac – Denkmalschutzämter) müssen nun noch die Entwürfe für den Umbau des Zweig-Wohnhauses in der Rua Gonçalves Dias 34 genehmigen. Dies ist conditio sine qua non für jedwede Anerkennung nach dem Lei Rouanet-Verfahren (Steuerbefreiung für Kultur-Investitionen).
Mit der entsprechenden Genehmigung kann die Anerkennung nach der Lei Rouanet beantragt werden, um die notwendigen Mittel für die Bauarbeiten zu bekommen.
Während der gesamten Anfangsphase durften wir die unbeschränkte Unterstützung des Bürgermeisters von Petrópolis, Rubens Bomtempo, geniessen. So wurde beispielsweise der CSZ durch den von ihm im Januar 2008 in der offiziellen Tageszeitung von Petrópolis (nº 1.184 de 24/1) veröffentlichten Erlass eine Befreiung von der Grundsteuer (IPTU) gewährt.
Im Mai dieses Jahres erneuerte die Stiftung für Kultur und Tourismus von Petrópolis ein Abkommen über ene finanzielle Unterstützung in der Höhe von R$ 65.000 für das Jahr 2008. Diese Mittel werden für die Anstellung eines Teams von drei Personen verwendet, um folgende Aufgaben zu erfüllen: a) Bildung des Bestandes der Exil-Gedenkstätte, aufbauend auf Informationen über ExilantInnen in Brasilien aus dem Nationalarchiv (Historiker Fábio Koifman mit Hilfe des österreichischen Gedenkdieners Jörg Trettler); b) konstante Aktualisierung der Website (unter Leitung der Journalistin Kristina Michahelles); c) Anstellung einer Geschäftsführerin für die Verwaltung des Projektes im Allgemeinen (Noemi Varsano).
Die Geschichte der Gründungsinitiative des „Haus-Museums“ Casa Stefan Zweig begann einige Tage nach jenem tragischen Ereignis im Feber 1942, als der Todespakt zwischen Stefan und Lotte Zweig in die Tat umgesetzt worden war, indem der Schriftsteller und Journalist Raul Azevedo über die Presse vorschlug, das Haus, in dem der Schriftsteller in Petrópolis lebte und starb, in ein Museum zu verwandeln. Am ersten Jahrestag des Todes des Schriftstellers übermittelten seine Erben der brasilianischen Regierung ein Dankesschreiben für die letzten Ehrungen, die dem Autor von Brasilien – Ein Land der Zukunft zuteil wurden. Als Anerkennung dafür boten sie den Nachlass an, den Zweig in seinem Haus in Bath (England) hinterließ, um damit den Grundstock des Museums in Petrópolis zu bilden.

Am 16. Mai besuchte ein Koordinationsteam der Casa Stefan Zweig die Escola Municipal Stefan Zweig in Petrópolis und wurde von der Direktorin, Eliane Sandra de Souza Martins Fontes, freundlich empfangen.

Ein Artikel von Thomas Milz über die Casas Stefan Zweig mit einem Interview mit Alberto Dines auf www.caiman.de, dem kultur- und reisemagazin für lateinamerika, spanien, portugal:
Alberto Dines, geboren am 19. Februar 1932 in Rio de Janeiro ist ein brasilianischer Journalist und Autor. In seiner über 50 jährigen Berufslaufbahn schrieb er mehrere Bücher, gründete verschiedene Zeitschriften in Brasilien und Portugal, arbeitet bei Radio und Fernsehen und wirkte als kritischer Beobachter der Medien und ihrer Repräsentanten.
Er begann 1952 als Journalist zu arbeiten, seit 1963 unterrichtet er Journalismus an der PUC in Rio de Janeiro und 1974 war er Gastprofessor an der Journalismus-Schule der University of Columbia, New York City. Er war 12 Jahre lang Chefredakteur des Journal do Brasil und Direktor der Niederlassung der Folha de São Paulo in Rio de Janeiro und gründete die Gruppe Abril in Portugal, mit der er die Zeitschrift Exame herausbrachte. Zurzeit ist er Senior-Forscher am Laboratório de Estudos Avançados em Jornalismo an der Unicamp, dessen Co-Gründer er ist und leitet das Magazin Observatório da Imprensa sowohl in seiner Online – Version als auch im Fernsehen.
Dines engagiert sich als Präsident der Gesellschaft Casa Stefan Zweig auch für die Eröffnung eines Stefan Zweig – Museums in Petrópolis. Er ist eine ausgewiesener Stefan – Zweig Forscher und hat in der Biografie Tod im Paradies – Die Tragödie des Stefan Zweig die Zeit, die Zweig bis zu seinem Selbstmord in Brasilien verbrachte, beschrieben.